Apothekerin zahlt 25.000 Euro an Cyberbetrüger – und Merck verlangt erneut Geld
Franz-Xaver OderwaldApothekerin zahlt 25.000 Euro an Cyberbetrüger – und Merck verlangt erneut Geld
Eine deutsche Apothekeninhaberin liegt im Streit mit dem Pharmariesen Merck, nachdem sie Opfer eines raffinierten Cyberbetrugs geworden ist. Carolin Schleußinger, Betreiberin der Marien-Apotheke in Roding, erhielt eine gefälschte Rechnung, die scheinbar von Merck stammte – und muss nun befürchten, dieselbe Rechnung über 25.000 Euro zweimal begleichen zu müssen.
Die Probleme begannen im vergangenen Jahr, als Apotheken in ganz Deutschland einen Anstieg verdächtiger E-Mails meldeten, die sich als Merck-Rechnungen tarnten. Auch Schleußinger erhielt eine solche Rechnung, versehen mit manipulierten Bankdaten, die Zahlungen auf ein Konto in Spanien umleiteten. Nach Prüfung des Dokuments überwies sie den Betrag in dem Glauben, es handele sich um eine echte Rechnung.
Wochen später kontaktierte Merck sie mit der Mitteilung, die Rechnung sei gefälscht und das Geld nie angekommen. Das Unternehmen wies sie an, Anzeige bei der Polizei zu erstatten, und bestätigte, dass sie Ziel von Cyberkriminellen geworden sei. Schleußinger legte Kontoauszüge als Zahlungsnachweis vor, doch Merck bestand darauf, dass die Mittel niemals auf den Firmenkonten eingingen.
Später forderte Merck eine zweite Zahlung für dieselbe Rechnung. Schleußinger verweigerte dies mit dem Argument, nicht ihre Apotheke, sondern das Unternehmen selbst sei gehackt worden. Sie kritisierte Merck für mangelnde Transparenz und warf dem Konzern vor, das Ausmaß des Problems herunterzuspielen. Wie viele Apotheken betroffen sind, bleibt unklar – weder Merck noch die Behörden haben Zahlen veröffentlicht, und die meisten Fälle werden vertraulich behandelt.
Als Reaktion fügte Merck einen Warnhinweis in seinen Online-Shop ein und rief Kunden dazu auf, die Bankverbindungen auf Rechnungen genau zu prüfen. Das Unternehmen räumte ein, dass die Angriffe gezielt die IT-Systeme der Rechnungsempfänger – darunter Apotheken – ins Visier nehmen.
Schleußinger steht nun vor der Gefahr, die 25.000 Euro ein zweites Mal zahlen zu müssen, obwohl sie die gefälschte Rechnung bereits beglichen hat. Während Merck betont, dass Apotheken die Zahlungsdaten selbst verifizieren müssten, fordern Betroffene wie Schleußinger klarere Kommunikation und mehr Verantwortungsübernahme. Der Fall zeigt, wie stark die pharmazeutische Lieferkette zunehmend durch Cyberbetrug bedroht wird.






