BGH verhandelt über Schufa-Scoring: Wie transparent müssen Bonitätsbewertungen sein?
Bekir KochBGH verhandelt über Schufa-Scoring: Wie transparent müssen Bonitätsbewertungen sein?
Bundesgerichtshof prüft Streit um Transparenz der Schufa-Bonitätsbewertung
Der Bundesgerichtshof (BGH) befasst sich mit einem Rechtsstreit über die Transparenz der Kredit-Scoring-Verfahren der Schufa. Fünf Kläger haben das Unternehmen verklagt, weil sie die Offenlegung der Berechnungsmethoden für unzureichend halten – ein Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Im Mittelpunkt steht die Frage, wie detailliert Verbraucher über automatisierte Entscheidungen informiert werden müssen, die ihre Kreditwürdigkeit beeinflussen.
Die Schufa führte im März 2023 ein neues Scoring-Modell ein, das auf einer standardisierten Skala von 100 bis 999 basiert und zwölf klar definierte Kriterien nutzt. Das Unternehmen betont, das Modell erfülle bereits jetzt künftige Transparenzanforderungen, da alle Faktoren und deren Gewichtung in der Bewertung offengelegt würden.
Die Kläger bestehen jedoch darauf, dass die aktuellen Angaben den gesetzlichen Pflichten nicht genügen. Sie fordern tiefere Einblicke in die Logik hinter den Berechnungen. Die Schufa hingegen behauptet, ihre Praxis entspreche vollumfänglich den geltenden Vorgaben.
Nun muss der BGH entscheiden, ob die von der Schufa bereitgestellten Datenkopien den DSGVO-Regeln für automatisierte Entscheidungsfindung gerecht werden. Das Urteil könnte richtungsweisend dafür werden, wie solche Systeme Verbrauchern Informationen offenlegen müssen.
Ab November 2026 gilt ein neues rechtliches Rahmenwerk für „materielle Scoring-Systeme“, das strengere Transparenzauflagen vorsieht. Das aktualisierte Schufa-Modell soll ein älteres, komplexeres System ersetzen, wobei die vollständige Umsetzung bis Ende 2028 geplant ist.
Die Entscheidung des Gerichts könnte maßgeblich festlegen, wie detailliert Unternehmen über algorithmische Bewertungen Auskunft geben müssen. Zwar entspricht das neue Schufa-Modell bereits den kommenden Standards, doch das Urteil könnte die DSGVO-Pflichten neu definieren. Die Folgen werden Verbraucher und Kreditauskunfteien in ganz Deutschland betreffen.






