Ex-Staatsanwalt aus Hannover verrät Drogenhändler – und kassiert jahrelang Bestechungsgelder
Franz-Xaver OderwaldWarum ein Staatsanwalt Jahre im Gefängnis verbringen muss - Ex-Staatsanwalt aus Hannover verrät Drogenhändler – und kassiert jahrelang Bestechungsgelder
Ein ehemaliger Staatsanwalt aus Hannover ist zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden, nachdem er vertrauliche Polizeierkenntnisse an Drogenhändler weitergegeben hatte. Der Fall, der 2022 mit Ermittlungen begann, deckte ein Bestechungssystem auf, bei dem der Beamte Zahlungen in Höhe von 5.000 Euro pro Vorgang annahm – und damit sein Gehalt effektiv verdoppelte. Seine Festnahme im Oktober 2024 führte zu einem Prozess, der im April 2025 mit einer Verurteilung in neun von 14 Anklagepunkten endete.
Der einst als fleißig und vertrauenswürdig geltende Jurist bearbeitete vor seiner Verhaftung 247 drogenbezogene Verfahren. Zwischen Juni 2020 und März 2021 leitete er systematisch vertrauliche Ermittlungserkenntnisse an ein kriminelles Netzwerk weiter. Über Mittelsmänner und Decknamen wie "SA" oder "Cop" stellte er sicher, dass seine Kommunikation im Verborgenen blieb.
Die Ermittlungen waren zwar bereits 2022 eingeleitet, zunächst aber mangels Beweisen eingestellt worden. Im Juni 2024 wurden sie wiederaufgenommen, was fünf Monate später zu seiner Festnahme führte. Während des Prozesses offenbarten die Ankläger das ganze Ausmaß seiner Korruption, darunter eine aufgezeichnete Unterhaltung, in der Drogenhändler bestochene Beamte verhöhnten: "Ein Bulle ist eine Million wert – wenn er nicht erwischt wird."
Auch ein Boxtrainer aus Hannover wurde als Mittäter in dem System verurteilt. Er erhielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten wegen Beihilfe zur Bestechung. Das Geständnis des Staatsanwalts in neun Anklagepunkten führte zu einem Urteil im von der Anklage geforderten Rahmen.
Der Fall hat das öffentliche Vertrauen in die Justiz schwer erschüttert. Durch die Handlungen des verurteilten Staatsanwalts konnten Drogenhändler der Strafverfolgung entgehen und jahrelange Ermittlungsarbeit zunichtemachen. Die achtjährige Haftstrafe spiegelt die Schwere seines Verrats und die nachhaltigen Schäden wider, die seine Korruption angerichtet hat.






