26 April 2026, 12:34

Kölner Stadtarchiv: 15 Jahre nach dem Einsturz bleibt die Wunde offen

Schwarzes und weißes Foto einer Stadt nach einer Katastrophe am 5. Juni 1892, das Gebäude, Pfähle, Rauch und einen Hügel im Hintergrund zeigt, mit Text am unteren Rand.

Kölner Stadtarchiv: 15 Jahre nach dem Einsturz bleibt die Wunde offen

Fünfzehn Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs in eine U-Bahn-Baustrelle bleibt die Stelle eine Narbe im Stadtbild. Was einst 1,7 Millionen historische Dokumente beherbergte, ist heute eine Brachfläche mit Sandhügeln und wildem Gestrüpp – erst im vergangenen Jahr wurde teilweise Beton als provisorische Füllung eingebracht. Die Katastrophe von 2009 zerstörte nicht nur jahrhundertealte Aufzeichnungen, sondern forderte auch zwei Menschenleben, als der Boden unter benachbarten Häusern nachgab.

Der Einsturz ereignete sich während der Bauarbeiten für die Nord-Süd-Stadtbahn, die von den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB) geleitet wurden – obwohl die KVB über keine Erfahrung mit derart groß angelegten Projekten verfügte. Spätere Ermittlungen deckten auf, dass kritische Stahlträger vor dem Unglück gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft worden waren, was die Statik des Gebäudes schwächte.

Erst 2018 verurteilte das Landgericht Köln den Bauleiter und den verantwortlichen Projektleiter zu Bewährungsstrafen. Doch bis 2024 wurden die Verfahren gegen weitere Beschuldigte gegen Geldauflagen eingestellt – mit dem Verweis auf lediglich "mittelbare" Verantwortung.

Seit 2011 setzt sich die Initiative ArchivKomplex für eine sinnvolle Einbindung in die Neugestaltung des Geländes und eine würdige Erinnerung an die verlorenen Archive ein. 2022 wurde Reinhard Matz' Kunstwerk "Klagelied in acht Tafeln", das den Einsturz thematisiert, als provisorisches Mahnmal an der Baustellenabsperrung installiert.

Nun, da die Bauarbeiten an der Stadtbahn wiederaufgenommen werden, soll der provisorische Beton bald entfernt werden. Nach Fertigstellung wird die Strecke die Fahrzeit um acht Minuten verkürzen.

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Doch die Stelle des eingestürzten Archivs bleibt ein Mahnmal der Tragödie. Mit den abgeschlossenen Gerichtsverfahren und dem voranschreitenden Bau muss die Stadt nun entscheiden, wie sie der verlorenen Geschichte gedenken will. Die Fertigstellung der Stadtbahn bringt zwar praktischen Nutzen – doch die Erinnerung an den Einsturz und die Opfer bleibt unvollendet.

Quelle