Neues Digitalgesetz soll Gesundheits-IT revolutionieren – doch die Pflege bleibt skeptisch
Meryem DobesNeues Digitalgesetz soll Gesundheits-IT revolutionieren – doch die Pflege bleibt skeptisch
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat Pläne für ein neues Digitales-Gesundheitsversorgungs-Gesetz (DVG) vorgestellt. Das Gesetz soll die digitalen Systeme im Gesundheitswesen verbessern und langjährige Probleme bei Zuverlässigkeit und Nutzerfreundlichkeit angehen. Schwerpunkte sind die Stärkung der Telematikinfrastruktur (TI) sowie die Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte (ePA).
Ziel des Gesetzes ist es, die TI widerstandsfähiger gegen Ausfälle zu machen und ihre Handhabung zu vereinfachen. Nach schweren Störungen wie dem großen Systemausfall 2020 wurden bereits Stabilitätsverbesserungen und mehr Transparenz umgesetzt. Die gematik, die für die digitale Gesundheitsinfrastruktur zuständige Behörde, soll durch das neue Gesetz zusätzliche Unterstützung erhalten.
Auch die elektronische Patientenakte (ePA) wird aufgewertet: Bis 2026 sind eine bessere Bedienbarkeit und eine Volltextsuche geplant. Ärztinnen und Ärzte klagen derzeit über häufige Verzögerungen durch fehlerhafte Systeme – obwohl sie grundsätzlich bereit sind, digitale Werkzeuge zu nutzen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) begrüßt die gestärkte Rolle der gematik, pocht jedoch auf eine separate "elektronische Versorgungsmappe", um die ePA nicht mit PDF-Dokumenten zu überlasten.
Der AOK-Bundesverband unterstützt die erweiterten Funktionen der ePA und die vereinfachte Authentifizierung. Zudem befürwortet er Pläne, im Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ) Gesundheitsdaten effizienter zu nutzen. Gleichzeitig fordert die AOK einen besseren Zugang der Versicherer zu Versichertendaten.
Unterdessen fühlt sich die Pflegebranche übergangen. Vertreterinnen und Vertreter kritisieren, dass die Reformen ihre Bedürfnisse ignorieren, und fordern praxistaugliche digitale Lösungen sowie stabile Finanzierung.
Das Digitale-Gesundheitsversorgungs-Gesetz zielt auf die chronischen Schwächen der deutschen Gesundheits-IT ab – von instabilen Systemen bis zu umständlichen ePA-Prozessen. Bei erfolgreicher Umsetzung könnten die Neuerungen Wartezeiten verringern und die Datenverarbeitung für Ärzte und Krankenkassen verbessern. Die Pflegebranche jedoch bleibt besorgt, in den Reformen nicht ausreichend berücksichtigt zu werden.






