Schröder fordert von der SPD mutige Reformen wie bei der Agenda 2010
Franz-Xaver OderwaldSchröder fordert von der SPD mutige Reformen wie bei der Agenda 2010
Altkanzler Gerhard Schröder hat die SPD aufgefordert, mutige Reformen voranzutreiben und dabei Parallelen zu seiner eigenen Agenda 2010 gezogen. Seine Äußerungen erfolgen zu einem Zeitpunkt, an dem die aktuellen Parteivorsitzenden Lars Klingbeil und Karl Lauterbach weitreichende Änderungen bei der Rente vorschlagen – allerdings ohne eine Anhebung des Renteneintrittsalters. Schröder kritisierte, die SPD habe die wirtschaftlichen Prioritäten aus den Augen verloren, und forderte eine stärkere Führung.
Bei einer jüngsten Diskussion betonte Schröder, die SPD müsse sich auf reale Herausforderungen konzentrieren statt auf interne Parteidebatten. Er erinnerte an sein Versprechen vom Wahlabend 1998, als er erklärte, Regieren diene dem Land und nicht nur Parteiinteressen. Seine Worte erinnerten an eine ähnliche Haltung von Cem Özdemir in Baden-Württemberg, der kürzlich die nationale Verantwortung über parteipolitische Belange stellte.
Besonders kritisch äußerte sich der Altkanzler zum Doppelspitzenmodell der SPD, das er als "Quatsch mit der Doppelspitze" abtat. Stattdessen forderte er entschlossenes Handeln und rief die Partei auf, eine neue Agenda-ähnliche Politik mit Mut und nicht mit halbherzigen Maßnahmen umzusetzen. Zwar lobte er Vizekanzler Lars Klingbeil als "zweifellos einen guten Menschen", bestehe aber auf mehr Rückhalt für die Parteiführung.
Schröder verwies zudem auf die dringende Notwendigkeit einer Rentenreform und erinnerte daran, dass die letzte große Umgestaltung vor zwei Jahrzehnten stattfand. Anders als der aktuelle SPD-Ansatz – die Rente an Beitragsjahre zu koppeln und Spitzenverdiener zu begrenzen – regte er an, die Debatte über eine Anhebung des Renteneintrittsalters wiederaufzunehmen. Seine Aussagen stehen damit im deutlichen Kontrast zur historischen Ablehnung solcher Schritte durch die Partei.
Die SPD sieht sich nun unter Druck, ihre Reformpläne mit Schröders Forderung nach einer kühneren Wirtschaftspolitik in Einklang zu bringen. Die aktuellen Vorschläge zielen auf beitragsbasierte Renten und private Vorsorge ab, doch die Kritik des Altkanzlers offenbart tiefere Gräben. Sein Vorstoß für eine neue Agenda und eine stärkere Führung könnte die Ausrichtung der Partei in den kommenden Monaten entscheidend prägen.






