02 April 2026, 08:29

"Tagesschau" testet 30-Minuten-Format – mehr Tiefe oder zu lang für die Zuschauer?

Schwarze-weiße Titelseite einer deutschen Zeitung vom 13. November 1939 mit der Überschrift 'Weitpreubliche Zeitung', die eine Gruppe von Menschen in traditioneller deutscher Kleidung zeigt.

"Tagesschau" testet 30-Minuten-Format – mehr Tiefe oder zu lang für die Zuschauer?

Die ARD testet eine längere Version ihrer Flaggschiff-Nachrichtensendung Tagesschau. Der Versuch startet mit einer 30-minütigen Ausgabe am Montagabend um 20:15 Uhr. Der Sender will damit globale Ereignisse mit persönlichen Geschichten verbinden, um die Nachrichten alltagsrelevanter und greifbarer zu gestalten.

Jörg Schönenborn, Programmdirektor für Information, Fiktion und Unterhaltung beim WDR, stellte das erweiterte Format vor. Er beschrieb es als Brücke zwischen harten Nachrichten und erlebbaren Perspektiven für die Zuschauer. Die Tagesschau verzeichnet seit fünf Jahren stabile Quoten. Die Zuschauerzahlen blieben konstant, mit Spitzenwerten wie 5,87 Millionen Zuschauern (27,5 Prozent Marktanteil) und einem Durchschnitt von 4,28 Millionen (19,9 Prozent). Trotz der Konkurrenz durch Streaming – die tägliche Nutzung von Online-Videos stieg zwischen 2016 und 2024 von vier auf 36 Minuten – führt die Sendung weiterhin in der Gesamtzuschauerzahl. Allerdings verliert sie zunehmend jüngere Zielgruppen.

Die längere Sendezeit bietet den Zuschauern mehr Details und ein stärkeres Gefühl der Repräsentation. Gleichzeitig verlangt sie ihnen auch mehr Zeit ab. Kritiker haben bereits Stellung bezogen: Die Journalistin Aurelie von Blazekovic von der Süddeutschen Zeitung hinterfragte, ob der Fokus auf Alltagsrelevanz der richtige Ansatz sei. Anna Mayr von Die Zeit argumentierte, dass nicht die Länge, sondern die Qualität der Sendung verbessert werden müsse.

Michael Hanfeld, Medienredakteur der FAZ, hielt das 15-minütige Format für ausreichend, um Nachrichten zu vermitteln. Er warnte, dass eine Verlängerung die Primetime-Planung der ARD durcheinanderbringen könnte. Der Testlauf beginnt mit der Montagsausgabe und markiert damit eine Veränderung in der Präsentation des meistgesehenen Nachrichtenformats des Senders.

Die erweiterte Tagesschau wird vorerst als Probe in der Hauptsendezeit laufen. Die Zuschauer erhalten vertiefte Berichterstattung und eine Mischung aus harten Fakten und persönlichen Blickwinkeln. Der Schritt zeigt den Versuch der ARD, in einem sich wandelnden Medienumfeld das Publikum zu halten – bei aller Abwägung der Risiken durch längere Sendezeiten und Programmverschiebungen.

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