Vom Kieler Hafen zur Padua: Wie die Seefahrt ein Leben prägte
Franz-Xaver OderwaldVom Kieler Hafen zur Padua: Wie die Seefahrt ein Leben prägte
Michael Krieg verbrachte seine Kindheit in der Nähe der lebhaften Werften von Kiel, wo er Schiffe aller Art in den Förde gleiten sah. Der Anblick der gewaltigen Tanker, Kriegsschiffe und Frachter, die zu Wasser gelassen wurden, erfüllte ihn mit Staunen. Seine Faszination für das Meer begann früh, geprägt von den Rhythmen des Hafenlebens und den tief verwurzelten Traditionen der Seemannslieder.
Schon mit dreizehn Jahren hatte er die Klänge und Geschichten des Hafens in sich aufgenommen – von den tiefen Stimmen des Lotsenchors bis zu den legendären Melodien von Hans Albers und Freddy Quinn. Diese Einflüsse begleiteten ihn noch lange, nachdem er die Werften hinter sich gelassen hatte.
Aufgewachsen neben den Howaldtswerken erlebte Krieg täglich das Schauspiel, wie stählerne Riesen Gestalt annahmen. Das Segelschulschiff Gorch Fock der Deutschen Marine und ausländische Segler, die im Hafen einliefen, weckten etwas in ihm. Ihre Präsenz, verbunden mit dem rauen, ausdrucksstarken Gesang der "Knurrhahn"-Chöre – einer Tradition, die in Häfen wie Wilhelmshaven entstand –, hinterließ einen bleibenden Eindruck. Diese Chöre, mit ihren knurrenden Darbietungen der Seemannslieder, spiegelten die ungebändigte Energie des Hafenlebens wider.
Musik war stets gegenwärtig. Im Kirchenchor sang Krieg neben einem Bass, dessen Stimme auch im Lotsen-Gesangverein erklang, einem 1929 gegründeten Chor der Hafenlotsen. Zu Hause begleiteten die Seemannslieder von Freddy Quinn, Lale Andersen und Hans Albers Familienausflüge. Letzterer, berühmt durch seine Rolle als Hannes Kröger in Große Freiheit Nr. 7, verkörperte die Sehnsucht eines Matrosen, zerrissen zwischen Liebe und dem Ruf des Meeres. Das Finale des Films, La Paloma, wurde zum Symbol dieser rastlosen Seele.
Jahre später führte Kriegs eigenen Weg an Bord der Padua, des letzten großen Segelschiffs Hamburgs. Die viermastige Bark, heute als russisches Schulschiff Krusenstern bekannt, durchpflügt noch immer die Wellen. Sie war der letzte lebende Bezug zu den legendären Flying P-Linern, und für Krieg bedeutete das Betreten ihres Decks, demselben Ruf zu folgen, der schon seine Kindheit durchdrungen hatte.
Die Padua – heute Krusenstern – bleibt ein lebendiges Stück Seefahrtsgeschichte. Kriegs Weg von den Werften Kiels bis an Deck einer Segellegende zeigt die ungebrochene Anziehungskraft des Meeres. Die Lieder, die Schiffe und die Traditionen, die seine frühen Jahre prägten, hallen bis heute nach – so wie einst die tiefen Stimmen des Lotsenchors.






