Warum einige Regionen boomen und andere zurückfallen – die Forschung von Felix Rösil
Türkan MargrafWarum einige Regionen boomen und andere zurückfallen – die Forschung von Felix Rösil
Felix Rösil übernahm im Oktober 2021 die Professur für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Universität Braunschweig. Seine Arbeit konzentriert sich auf Stadt- und Regionalökonomie und untersucht, warum einige Regionen prosperieren, während andere zurückbleiben. Er ist überzeugt, dass eine klare Wissenschaftskommunikation entscheidend ist, um Forschungsergebnisse mit Politik und Öffentlichkeit zu verknüpfen.
Rösils Forschung analysiert historische Muster, um die heutigen regionalen Ungleichheiten zu erklären. Durch die Untersuchung vergangener Entscheidungen – von Unternehmensinvestitionen bis hin zu staatlicher Politik – zeigt er auf, wie sich Unterschiede in Wohlstand und sozialem Zusammenhalt entwickeln. Seine Erkenntnisse verdeutlichen, wie die deutsche Teilung bis heute Einstellungen prägt, insbesondere in den ostdeutschen Regionen, wo historische Belastungen nachwirken.
Seine Studien befassen sich zudem mit Standortentscheidungen von Menschen, Unternehmen und Behörden. Diese Entscheidungen, so Rösil, sind von zentraler Bedeutung für wirtschaftliches Wachstum und regionale Entwicklung. Ein besonderer Fokus liegt darauf, die Kluft zwischen ländlichen Gebieten und Städten durch intelligentere Vernetzung zu überbrücken.
Über Deutschland hinaus hat Rösil die Dezentralisierungsreformen der Ukraine zwischen 2014 und 2020 untersucht. Dazu gehörten Verfassungsänderungen, eine Steigerung der lokalen Haushalte von 32 auf 60 Prozent der öffentlichen Ausgaben sowie die Zusammenlegung von über 1.400 Gebietsgemeinschaften. Internationale Organisationen wie die OECD und die Weltbank lobten die Reformen für die Verbesserung von Dienstleistungen und Demokratie, doch bleiben Herausforderungen bestehen. Der Krieg seit 2022, Korruption und unvollständige Umsetzung – etwa die Gefahr einer erneuten Zentralisierung – haben den Fortschritt gebremst, wie der Europarat feststellte.
Rösil entschied sich für die TU Braunschweig wegen ihres starken Forschungsprofils, der kooperativen Arbeitsumgebung und der Nähe zur Natur. Ein Karrierehöhepunkt war 2017, als er seine Arbeit auf dem Lindauer Nobelpreisträgertreffen präsentieren durfte. Sein Ansatz verbindet oft historische Lehren mit aktuellen politischen Debatten, insbesondere während des digitalen Wandels und struktureller Umbrüche.
Mit Rösils Berufung stärkt die TU Braunschweig ihre Expertise in der Regionalökonomie. Seine Forschung zu Standortdynamik, historischen Hinterlassenschaften und politischen Auswirkungen liefert wertvolle Erkenntnisse für den Umgang mit Ungleichheit. Indem er vergangene Entwicklungen mit heutigen Herausforderungen verknüpft, zielt seine Arbeit darauf ab, Entscheidungen zu fundieren, die die Zukunft prägen.






