Agroforstwirtschaft könnte Niedersachsens Landwirtschaft nachhaltig verändern
Bekir KochAgroforstwirtschaft könnte Niedersachsens Landwirtschaft nachhaltig verändern
Agroforstwirtschaft könnte die Landwirtschaft in Niedersachsen revolutionieren, indem Bäume und Nutzpflanzen auf derselben Fläche kombiniert werden. Fast das gesamte Ackerland der Region eignet sich dafür – bei fast einem Drittel der Flächen wären sogar vielfältige Vorteile möglich. Der Ansatz verspricht Lösungen für langjährige Umweltprobleme und fördert gleichzeitig die Artenvielfalt.
Die intensive Landwirtschaft in Niedersachsen hat zu Nitratbelastung, Bodenabtrieb und einem drastischen Rückgang der Biodiversität geführt. Seit 1992 sind die Lebensräume von Wiesenvögeln wie dem Kiebitz von 20.000 Hektar auf weniger als 5.000 im Jahr 2020 geschrumpft. Gegenmaßnahmen wie das "Niedersachsen-Wiesenbrutvogel-Programm" und EU-geförderte LIFE-Projekte kosteten zwar über 50 Millionen Euro, konnten die Verluste durch Entwässerung und landwirtschaftliche Expansion aber kaum ausgleichen.
Agroforstwirtschaft integriert Bäume und Sträucher in Ackerflächen, spendet Schatten, bindet CO₂ und schafft Mikroklimata. Im Süden Niedersachsens hilft dies Nutzpflanzen und Vieh, mit steigenden Temperaturen zurechtzukommen. Gehölzstreifen an Feldrändern filtern zudem überschüssige Nitrate und reduzieren so die Belastung von Böden und Gewässern.
Die vielfältigen Landschaften der Region – von den Harzer Bergen bis zum Wattenmeer – beherbergen bereits Wälder, Moore und Feuchtgebiete. Doch hohe Anteile an Pachtland und geschützten Zonen erschweren die Umsetzung von Agroforstwirtschaft. Eine sorgfältige Planung ist nötig, um landwirtschaftliche Bedürfnisse und ökologische Gewinne in Einklang zu bringen.
Besonders in erosionsgefährdeten und hitzeempfindlichen Gebieten ist das Potenzial groß. Neben der Anpassung an den Klimawandel stärkt Agroforstwirtschaft die Artenvielfalt, indem sie Nistplätze und Nahrung für Vögel, Insekten und andere Wildtiere bietet.
Niedersachsens Landwirte könnten stark von Agroforstwirtschaft profitieren, da der Großteil der Flächen geeignet ist und die ökologischen Vorteile offensichtlich sind. Die Methode könnte die Verschmutzung verringern, Böden schützen und Lebensräume wiederherstellen, die durch intensive Landwirtschaft verloren gingen. Der Erfolg hängt jedoch davon ab, die Herausforderungen bei der Flächennutzung zu meistern und eine langfristige Planung zu gewährleisten.