05 April 2026, 02:26

Apothekenreform spaltet Branche: Festpreise, Schließungen und Versorgungsdebatte

Plakat, das zeigt, dass Big Pharma 2022 Amerikaner zwei bis drei Mal so viel für dieselben Medikamente berechnet hat wie in anderen Ländern, mit Bildern von Medikamentenflaschen und einer Spritze.

Apothekenreform spaltet Branche: Festpreise, Schließungen und Versorgungsdebatte

Deutschlands Apothekenbranche steht vor tiefgreifenden Veränderungen, da neue Gesetzesentwürfe eine Debatte unter Führungskräften der Branche auslösen. Zwar ist die Zahl der Apotheken in den vergangenen 13 Jahren stark gesunken, doch Experten betonen, dass die Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten weiterhin gut gesichert ist. Nun haben zentrale Akteure zu Themen wie Festpreisen, Lagerungsvorschriften und Ausschlussklauseln Stellung bezogen.

Die geplanten Reformen stoßen auf gemischte Reaktionen: Einige begrüßen Anpassungen bei den Gebühren, andere warnen vor steigenden Kosten oder regulatorischen Risiken.

Der Rückgang der Apotheken ist dramatisch. Seit 2010 hat ihre Zahl bundesweit abgenommen, allein in Rheinland-Pfalz gingen zwischen 2014 und 2024 22 Prozent der Standorte verloren. Bis 2025 werden nur noch 3.021 Apotheken übrig sein – ein Minus von 12 Prozent seit 2020. Besonders betroffen sind ländliche Regionen sowie Städte wie Hamburg und Schleswig-Holstein. Dennoch lebt 99,9 Prozent der Bevölkerung noch immer maximal 15 Autominuten von der nächsten Apotheke entfernt. Die Insolvenzgefahr, die zeitweise gestiegen war, hat sich mittlerweile im Einklang mit der allgemeinen Wirtschaftslage stabilisiert.

Thomas Preis, Präsident der Bundesapothekerkammer (ABDA), unterstützte die Grundrichtung des Entwurfes, insbesondere Pläne zur Erhöhung der Festgebühr durch neue Regelungen. Markus Grunenberg vom GKV-Spitzenverband warnte jedoch, dass eine solche Maßnahme das System eine Milliarde Euro kosten könnte. Ulrich Langenberg von der Bundesärztekammer (BÄK) lehnte hingegen Vorschläge, verschreibungspflichtige Medikamente rezeptfrei abzugeben, entschieden ab.

Auch Lagerungs- und Transportbedingungen standen im Fokus. Thomas Porstner vom Phagro-Großhandelsverband forderte schärfere Kontrollen bei Logistikdienstleistern, um die Einhaltung der Vorschriften zu gewährleisten. Bei der Erstattung von Rezepturarzneimitteln plädierte Dr. Stefan Hartmann vom BVDAK für einen überarbeiteten regulatorischen Ansatz. Bork Bretthauer von Pro Generika lobte zwar die stabile Versorgung mit Biosimilars, forderte aber ein Verbot von Exklusivverträgen, um den Wettbewerb fair zu gestalten.

Anja Zierath vom BVpta lehnte es ab, dass Apothekenmitarbeiter ohne zusätzliche Qualifikation Apotheken vertreten dürfen. Trotz der Schließungen bestätigte Iris an der Heiden vom IGES-Institut, dass die Versorgungslage der Bevölkerung – selbst in unterversorgten Gebieten – nicht schlechter geworden sei.

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Der Gesetzesentwurf hat eine Welle an Stellungnahmen aus der Branche ausgelöst, wobei jeder Verband andere Schwerpunkte setzt. Festgebühren, Lagerungsregeln und Exklusivitätsverbote stehen nun im Mittelpunkt der Diskussionen. Obwohl die Zahl der Apotheken weiter sinkt, bleibt die Versorgung stabil – die nächsten Schritte werden zeigen, wie diese Reformen die Zukunft der Branche prägen.

Kostenfragen, Ausbildungsstandards und regulatorische Anpassungen bleiben die zentralen Streitpunkte, während die Vorschläge voranschreiten.

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