18 February 2026, 04:55

Ärztemangel in Niedersachsen: Warum ländliche Regionen am Limit sind

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung einer kleinen Stadt in einem Tal umgeben von Bäumen und Hügeln, mit der Aufschrift "Bayern, Deutschland, 1857" oben.

"Wut im Bauch" - wo der Arztmangel in Niedersachsen Frust auslöst - Ärztemangel in Niedersachsen: Warum ländliche Regionen am Limit sind

Niedersachsen: Ärztemangel in ländlichen Regionen belastet Patienten und medizinisches Personal

In ländlichen Gebieten von Niedersachsen verschärft sich der Ärztemangel dramatisch – Patienten müssen mit langen Wartezeiten und weiten Anfahrtswegen für medizinische Versorgung leben. Die Krise spitzt sich zu, da immer mehr junge Mediziner in die Städte abwandern, wo sie bessere Arbeitsbedingungen und eine moderne Infrastruktur vorfinden. Lokale Ärzte und Kommunalpolitiker fordern nun beschleunigte Reformen, um die wachsende Versorgungslücke zu schließen.

In Bunde erlebt der Hausarzt Holger Plochg, wie sich seine Patientenzahlen über die Jahre explodiert sind. Als er 1997 seine Praxis eröffnete, war die Belastung noch überschaubar – heute behandelt er alle drei Monate rund 3.000 Patienten. Die Situation wird sich im Oktober weiter zuspitzen, wenn der zweite Hausarzt des Ortes in Rente geht und Plochg als einziger Arzt für die gesamte Gemeinde übrig bleibt.

Doch das Problem beschränkt sich nicht auf Bunde. Der Dermatologe Bernd Brinker aus Weener berichtet von Patienten, die bis zu 80 Kilometer für einen Termin zurücklegen. Vor seinen Sprechstunden bilden sich bereits ab 6:00 Uhr morgens Schlangen. Landesweit blieben Stand Dezember 2023 447 Hausarztstellen unbesetzt – besonders betroffen sind die ländlichen Regionen.

Um gegenzusteuern, hat die Landesregierung einen Zehn-Punkte-Aktionsplan vorgelegt. Dazu gehören eine Landarztquote sowie die Ausweitung der Medizinstudienplätze: Allein in diesem Jahr kommen 80 neue Plätze hinzu. Ab dem Wintersemester 2026/27 wird Niedersachsen 876 Studienplätze anbieten, verteilt auf Hannover, Göttingen und Oldenburg – davon 120 neue Plätze in Oldenburg. Dennoch hinkt das Land im Vergleich zu anderen Bundesländern hinterher: Pro Kopf gibt es hier weniger Medizinstudienplätze als in allen anderen Regionen außer Bremen und Brandenburg.

Plochg und Brinker schlagen zusätzliche Lösungen vor. Sie regen an, pensionierte Ärzte wieder in den Praxisbetrieb einzubinden und die medizinische Ausbildung schneller auszubauen. Zwar begrüßt Plochg die geplanten Reformen, doch betont er: "Die Veränderungen müssen schneller kommen, um den wachsenden Bedarf in unterversorgten Gebieten zu decken."

Der Ärztemangel in Niedersachsens ländlichen Regionen belastet Patienten und medizinisches Personal gleichermaßen. Mit mehr Studienplätzen und möglichen politischen Nachjustierungen will das Land die überlasteten Praxen entlasten. Doch ob die Maßnahmen greifen, hängt davon ab, wie schnell es gelingt, Ärzte in die Regionen zu locken – und dort auch langfristig zu halten.