Asse-II: Rückholung radioaktiver Fässer auf unbestimmte Zeit verschoben
Türkan MargrafVerwahrte radioaktive Abfälle in Asse - Beginn der Bergung verschoben - Asse-II: Rückholung radioaktiver Fässer auf unbestimmte Zeit verschoben
Die Pläne zur Bergung radioaktiver Abfälle aus dem deutschen Endlager Asse sind auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) bestätigte die Verzögerung und verwies auf ungelöste technische und sicherheitstechnische Probleme. In der Anlage lagern rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall, die vor Jahrzehnten eingelagert wurden.
Das Bergwerk Asse-II diente zwischen den 1960er- und 1970er-Jahren als Endlager für radioaktive Abfälle in 13 unterirdischen Kammern. Nach geltendem Recht muss die Anlage stillgelegt werden, wobei die BGE mit der Rückholung des Materials beauftragt ist. 2020 schlug die Behörde einen Beginn der Bergungsarbeiten für das Jahr 2033 vor und veranschlagte die vorläufigen Kosten auf über drei Milliarden Euro.
Seitdem haben sich die Bedingungen im Bergwerk weiter verschlechtert. Verformungen des Steinsalzes, Absackungen und steigende Salzwasserzuflüsse destabilisieren die Struktur. Vorfälle wie Dacheinstürze im Jahr 2023 und nahegelegene Bergbauerschütterungen erhöhten die Risiken. Berichte des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) aus den Jahren 2024–2025 bestätigten, dass diese geotechnischen Probleme eine Bergung vor 2030 unmöglich machen.
Die BGE räumt nun ein, dass ihr Plan von 2020 lediglich ein grober Entwurf war, dem entscheidende Details fehlten. Anhaltende Unsicherheiten – von der Standfestigkeit der Anlage bis hin zu logistischen Herausforderungen – zwangen die Verantwortlichen, den Zeitplan vollständig aufzugeben. Ein neuer Termin für die Bergung steht derzeit nicht fest.
Die unbestimmte Verschiebung bedeutet, dass die 126.000 Fässer mit radioaktivem Abfall vorerst an Ort und Stelle bleiben. Zwar schreibt das Bundesrecht weiterhin die Stilllegung des Standorts vor, doch die BGE hat noch keinen überarbeiteten Ansatz vorgelegt. Die Behörden müssen nun zunächst die wachsende Instabilität der Anlage in den Griff bekommen, bevor mit der Bergung begonnen werden kann.