21 February 2026, 15:01

Borkums Gas-Konflikt spaltet die Grünen und entfacht Proteste vor der Küste

Ein Geothermiekraftwerk in Island mit Rauch aus seinem Schornstein, umgeben von Felsen im Vordergrund und Hügeln im Hintergrund.

Borkums Gas-Konflikt spaltet die Grünen und entfacht Proteste vor der Küste

Auf der Nordseeinsel Borkum entbrennt ein erbitterter Streit um die Gasförderung. Im Mittelpunkt steht das Gasfeld N05-A, das 20 Kilometer vor der Küste liegt und wo der Energiekonzern One-Dyas bereits mit der Förderung begonnen hat. Klimaschutzaktivisten, angeführt von der 21-jährigen Nele Evers von Fridays for Future, setzen nun Politiker unter Druck, das Projekt zu stoppen, bevor es vollständig umgesetzt wird.

Der Konflikt stellt wirtschaftliche Interessen gegen lokalen Widerstand – die anstehende Abstimmung des Bundesrats über das Unitization-Abkommen gilt als eine der letzten Chancen, die Erschließung des Feldes zu verhindern. Unterdessen haben die Grünen in Baden-Württemberg ihre bisherige Haltung revidiert und unterstützen trotz langjähriger Umweltbedenken nun das Gasgeschäft.

Das Gasfeld N05-A ist zum Zankapfel der deutschen Energie- und Klimapolitik geworden. One-Dyas, das hinter dem Projekt stehende Unternehmen, hat mit dem deutschen Energieversorger EWE einen Liefervertrag abgeschlossen und treibt die Förderung voran. Doch von Borkums Küsten aus ist die Bohrplattform deutlich sichtbar – eine ständige Mahnung an die Rolle der Insel in diesem Streit.

Aktivisten argumentieren, dass die Nutzung von Windkraft-Infrastruktur für den Ausbau fossiler Brennstoffe sowohl widersinnig als auch völkerrechtswidrig sei. Ihre Kampagne gewinnt an Dringlichkeit, da der Bundestag über das Unitization-Abkommen abstimmen soll – ein Schritt, der dem Bundesrat die Möglichkeit geben würde, einzugreifen, bevor neue Landesregierungen ihr Amt antreten. Das Ergebnis könnte von den anstehenden Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz abhängen, wo die Grünen unterschiedliche Positionen vertreten.

Noch 2024 lehnten die baden-württembergischen Grünen das Abkommen mit Verweis auf Umweltgefahren im Oberrheingraben ab. Doch Anfang 2026, angesichts der Energiesicherheitsdebatte nach dem Ukraine-Krieg, änderten sie ihre Haltung. Die rheinland-pfälzischen Grünen hingegen bleiben weiterhin gegen das Projekt – beeinflusst von starkem lokalem Aktivismus und einer geringeren Abhängigkeit von regionalen Gaslieferungen. Dieser Riss zeigt das Spannungsfeld zwischen Klimazielen und Energiebedarf.

Auf Borkum lassen Nele Evers und ihre Mitstreiter nicht locker. Ihre Proteste richten sich nicht nur gegen das Gasfeld selbst, sondern auch gegen die politischen Entscheidungen, die es ermöglichen. Mit der bevorstehenden Bundesratsabstimmung kämpfen beide Seiten um Einfluss, bevor sich das Zeitfenster, das Projekt noch zu stoppen, endgültig schließt.

Der Streit um die Gasförderung vor Borkum hängt nun von politischen Weichenstellungen in den kommenden Wochen ab. Lehnt der Bundesrat das Unitization-Abkommen ab, könnte das Projekt – zumindest vorläufig – gestoppt werden. Doch da One-Dyas bereits Gas fördert und Landeswahlen bevorstehen, könnte die Rolle der Insel in Deutschlands Energiezukunft bald besiegelt sein.

Für Aktivisten wie Evers wird sich zeigen, ob der Ausbau fossiler Energien unter dem Deckmantel der Versorgungssicherheit weitergeht – oder ob Klimaschutzbelange die Wende noch schaffen können.