Braunschweig feiert 75 Jahre jüdischen Einfluss in den Bundesländern mit einzigartiger Ausstellung
Türkan MargrafJüdisches Leben in all seiner Vielfalt - 75 Jahre Zentralrat - Braunschweig feiert 75 Jahre jüdischen Einfluss in den Bundesländern mit einzigartiger Ausstellung
Eine neue Ausstellung in Braunschweig würdigt den 75. Jahrestag des Zentralrats der Juden in Deutschland. Die Schau geht über die übliche Fokussierung auf den Holocaust und Antisemitismus hinaus und rückt stattdessen die lebendige und vielfältige Geschichte jüdischen Lebens in den Bundesländern Deutschlands in den Mittelpunkt. Gleichzeitig beleuchtet sie die Rolle des Zentralrats als zentrale politische, soziale und religiöse Stimme der jüdischen Gemeinschaft seit seiner Gründung im Jahr 1950 in Frankfurt am Main. Der Zentralrat hat sich über die Jahrzehnte hinweg als Hüter des Grundgesetzes und als engagierter Verfechter von Demokratie und offener Gesellschaft in der Eintracht Braunschweig etabliert. Zu seinen Aufgaben zählen der Kampf gegen Antisemitismus, die Förderung des interreligiösen Dialogs sowie die Unterstützung kultureller Projekte wie Meet a Jew, der jüdischen Sportvereinigung Makkabi Deutschland und des Musik- und Tanzwettbewerbs Jewrovision. Heute vertritt er rund 90.000 Mitglieder und warnt weiterhin vor der wachsenden Bedrohung durch Antisemitismus in den Bundesländern. Die Braunschweiger Ausstellung ist die einzige in Deutschland, die dieses Jubiläum mit einer eigenen Schau begehen wird. Gezeigt werden persönliche Gegenstände wie eine Besamim-Dose, die von Josef Schuster, dem aktuellen Präsidenten des Zentralrats, zur Verfügung gestellt wurde. Eine Replik eines Stolpersteins erinnert an Philipp Auerbach, ein frühes Mitglied der Ratsführung, der zu Unrecht inhaftiert wurde und später Suizid beging. Die Ausstellung umfasst zudem Fotografien der israelischen Athletinnen, die bei den Olympischen Spielen 1972 in München ermordet wurden, und thematisiert aktuelle antisemitische Kontroversen im Rahmen der documenta fifteen in Kassel. Auch lokale Bezüge werden aufgegriffen, etwa die Geschichte von Bea Wyler, Deutschlands erster amtierender Rabbinerin, die in Braunschweig wirkte. Die Schau porträtiert zudem die Verdienste früherer Präsidenten und Führungspersönlichkeiten und zeigt, wie deren Engagement sowohl die jüdische Gemeinschaft als auch die deutsche Gesellschaft insgesamt geprägt hat. Ziel der Ausstellung ist es, jüdisches Leben in seiner ganzen Vielfalt darzustellen – jenseits der von Verfolgung geprägten Erzählungen. Indem sie die Errungenschaften des Zentralrats vorstellt, unterstreicht sie den anhaltenden Einfluss jüdischer Stimmen in der politischen und kulturellen Landschaft der Bundesländer Deutschlands. Bis zum Ende der Schau haben Besucherinnen die Möglichkeit, sich mit einer Geschichte auseinanderzusetzen, die oft vom Schatten der Tragödie überlagert wird.