Deutschlands Atommüll bleibt jahrzehntelang in unsicheren Zwischenlagern
Franz-Xaver OderwaldDeutschlands Atommüll bleibt jahrzehntelang in unsicheren Zwischenlagern
Deutschlands hochradioaktiver Atommüll bleibt mehr als ein halbes Jahrhundert an Reaktorstandorten. Die Verzögerung ergibt sich aus dem Fehlen eines Endlagers. Da die Genehmigungen für die Zwischenlagerung bald auslaufen, wachsen die Bedenken hinsichtlich der langfristigen Sicherheit. Das Land verfügt über 16 Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle, die meisten an ehemaligen Atomkraftwerken. Zwei zentrale Einrichtungen in Gorleben (Niedersachsen) und Ahaus (Nordrhein-Westfalen) lagern ebenfalls Atommüll ein. Die meisten Genehmigungen für diese Standorte laufen 2045 oder 2046 aus – doch es gibt keine empirischen Daten zur Sicherheit der Lagerung über 40 Jahre hinaus. Forschungen zur Verlängerung der Genehmigungen werden Jahre dauern, bis verlässliche Ergebnisse vorliegen. Experten empfehlen, das Genehmigungsverfahren für eine verlängerte Lagerung mindestens ein Jahrzehnt vor Ablauf der aktuellen Erlaubnisse einzuleiten. Ohne Maßnahmen könnte der Müll weit länger als ursprünglich geplant vor Ort bleiben. Selbst wenn ein Endlager betriebsbereit ist, wird der Transport aller Behälter etwa 30 Jahre in Anspruch nehmen. Realistisch betrachtet kann pro Tag nur ein Behälter unterirdisch eingelagert werden. Zudem fasst jeder Endlagerbehälter nur etwa ein Drittel des Inhalts eines Zwischenlagerfasses – was die Logistik zusätzlich erschwert. Das Endlager selbst muss eine Million Jahre lang vor Strahlung schützen. Schätzungen zufolge wird der gesamte Atommüll frühestens um das Jahr 2080 endgelagert sein. Deutschland steht vor einem langen Zeitplan für die Entsorgung von Atommüll. Da die Genehmigungen für die Zwischenlager bald auslaufen, müssen Entscheidungen über Verlängerungen frühzeitig getroffen werden. Der Transfer in ein Endlager wird sich über Jahrzehnte hinziehen – der radioaktive Abfall bleibt damit weit länger als vorgesehen an den Reaktorstandorten.