FID Marseille: Warum Regisseur Nadav Lapid nach Boykott-Druck zurücktrat
Franz-Xaver OderwaldFID Marseille: Warum Regisseur Nadav Lapid nach Boykott-Druck zurücktrat
Kontroverse um Filmfestival FID Marseille nach geplanter Teilnahme des israelischen Regisseurs Nadav Lapid
Das internationale Filmfestival FID Marseille steht wegen der geplanten Beteiligung des israelischen Regisseurs Nadav Lapid in der Kritik. Der Filmemacher, bekannt für seine scharfe Kritik an der Regierung von Benjamin Netanyahu, war zunächst als Jurymitglied eingeladen worden. Später sah sich Festivalleiterin Tsveta Dobreva mit Forderungen konfrontiert, ihn von der Veranstaltung auszuschließen.
Lapid war ursprünglich aufgrund seines künstlerischen Schaffens eingeladen worden. Doch es gab Widerspruch, als Kritiker darauf hinwiesen, dass sein jüngster Film Yes teilweise vom Israel Film Fund finanziert wurde. Variety bezeichnete den Film als schonungslose Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus.
Der Druck wuchs, als rund zehn Filmemacher ihre Beiträge aus dem Festivalprogramm zurückzogen. Daraufhin erklärte sich Lapid bereit, zurückzutreten, um weitere Turbulenzen zu vermeiden. Er äußerte zwar Frustration über die wachsenden Forderungen nach seinem Ausschluss, entschied sich aber zum Rückzug, um das Festival zu schützen.
Unterstützung erhielt Lapid von über 350 Branchenvertretern, darunter Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard. Sie unterzeichneten einen offenen Brief, in dem sie den kulturellen Boykott gegen ihn verurteilten. Auch die französische Tageszeitung Le Monde veröffentlichte zwei Stellungnahmen zu seinen Gunsten – eine argumentierte gegen den Boykott, die andere mit dem Titel „Kino ist keine Botschaft“ kritisierte die Einschüchterungskampagne gegen den Regisseur.
Mit Lapids Rückzug endete der akute Konflikt beim FID Marseille. Seine Entscheidung folgte anhaltendem Druck von Boykottbefürwortern und dem Rückzug mehrerer Filmemacher mit ihren Beiträgen. Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Spaltungen innerhalb der Filmbranche in Fragen kultureller Boykotte und künstlerischer Freiheit.






