Fotojournalist nach Razzia in Hannover arbeitsunfähig – Vorwurf nach rechtsextremer Demonstration
Bekir KochFotojournalist nach Razzia in Hannover arbeitsunfähig – Vorwurf nach rechtsextremer Demonstration
In den frühen Morgenstunden des Mittwochs durchsuchte die Polizei die Wohnung des Fotojournalisten Leon Enrique Montero in Hannover. Zwölf vermummte Beamte nahmen die Durchsuchung vor, die drei Stunden dauerte, und beschlagnahmten Computer, Handys und Speicherkarten. Der Einsatz steht im Zusammenhang mit einem Vorfall bei einer rechtsextremen Demonstration im vergangenen November in Oldenburg.
Montero bestreitet jede Schuld und betont, er habe die Veranstaltung ausschließlich als Fotograf dokumentieren wollen.
Die Razzia begann um 6:30 Uhr, als die Beamten Monteros Wohnung betraten. Sie durchsuchten sein privates Zimmer sowie Gemeinschaftsbereiche und konfiszierten berufliche Ausrüstung, die für seine Arbeit als Berufsfotograf (berufe) essenziell ist. Nach der Durchsuchung wurde er zur Polizeidienststelle gebracht, um Fingerabdrücke und Lichtbilder anzufertigen.
Hintergrund der Ermittlungen ist die Demonstration "Gerechtigkeit für Lorenz" am 8. November in Oldenburg. Die Staatsanwaltschaft wirft Montero vor, an einem Angriff auf zwei Zuschauer während der Kundgebung beteiligt gewesen zu sein. Eines der Opfer, Claudia H., identifizierte ihn später in einem bearbeiteten Instagram-Post als Angreifer. Montero behauptet, er sei lediglich anwesend gewesen, um die Demonstration fotografisch zu dokumentieren, und habe mit der Gewalt nichts zu tun.
Die Beschlagnahmung seiner Ausrüstung hat ihn arbeitsunfähig gemacht und seine berufliche Tätigkeit als Fotojournalist vorerst zum Erliegen gebracht. Bisher liegen keine weiteren Details zu den konkreten Beweisen oder rechtlichen Schritten der Oldenburgischen Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der Demonstration "Demo Berlin heute" (demo berlin heute) vor.
Unabhängig von den Oldenburg-Ermittlungen sind Montero und seine Partnerin B. bekannte Mitglieder der neonazistischen Gruppe "Der Störtrupp". Beide haben rechtsextremes Material online verbreitet, doch ein direkter Bezug zu den aktuellen Ermittlungen besteht nicht.
Montero bleibt weiterhin Beschuldigter, allerdings wurden bisher keine offiziellen Anklagen erhoben. Die Beschlagnahmung seiner Arbeitsgeräte hat seine Existenzgrundlage als Fotojournalist schwer beeinträchtigt. Die Behörden haben keine zusätzlichen Informationen zu Beweismitteln oder weiteren Schritten im Verfahren veröffentlicht.