Gebrauchtwagenmarkt stabilisiert sich nach Pandemie-Turbulenzen und Chipkrise
Franz-Xaver OderwaldGebrauchtwagenmarkt stabilisiert sich nach Pandemie-Turbulenzen und Chipkrise
Der globale Automobilmarkt hat in den vergangenen Jahren mit massiven Störungen zu kämpfen gehabt – von Halbleiterknappheit bis hin zu schwankender Nachfrage nach Gebrauchtwagen. Während der Pandemie schnellen die Preise für gebrauchte Fahrzeuge in die Höhe, haben sich seitdem aber stabilisiert, auch wenn einige Modelle weiterhin stark nachgefragt werden. Gleichzeitig prägen die Folgen von Produktionsverzögerungen und Lieferkettenproblemen die Branche weiter.
Die Krise begann Anfang 2020, als Automobilhersteller aufgrund der Pandemie die Produktion drosselten. Halbleiterproduzenten verlagerten ihre Kapazitäten auf Unterhaltungselektronik und IT, sodass die Autoindustrie ohne essenzielle Chips dastand. Der Mangel zwang Fabriken zur Produktionspause, wodurch sich die Lieferzeiten für Neuwagen auf sechs bis achtzehn Monate verlängerten.
In der Folge wurden 2021 weltweit sieben bis elf Millionen weniger Fahrzeuge produziert als ursprünglich geplant. Diese Verknappung trieb die Gebrauchtwagenpreise in die Höhe, die zwischen 2021 und 2022 um 19 Prozent stiegen – der stärkste Anstieg in einem so kurzen Zeitraum seit Beginn der Aufzeichnungen.
Bis Anfang 2025 hatte sich der durchschnittliche Preis für Gebrauchtwagen in Deutschland bei etwa 27.800 Euro eingependelt, fast auf dem Niveau des Vorjahres, aber immer noch rund fünf Prozent unter dem Höchststand von 2023. Trotz dieser Anpassung bleibt die Nachfrage robust: Die Zahl der Fahrzeugübertragungen stieg 2024 um 7,4 Prozent auf etwa 6,48 Millionen Einheiten.
Bestimmte Modelle schneiden dabei besser ab als andere. SUVs wie der VW Tiguan, der BMW X1 und der Audi Q3 ziehen weiterhin Käufer an und halten ihren Wert gut. Elektrofahrzeuge hingegen verlieren schneller an Wert: Drei Jahre alte rein elektrisch betriebene Modelle sind heute nur noch etwa 50 Prozent ihres ursprünglichen Preises wert – im Vergleich zu 63,5 Prozent bei Benzinern und 62,2 Prozent bei Dieselfahrzeugen. Auch verkaufen Händler die Fahrzeuge schneller: Ein durchschnittliches Modell steht nur noch 57 Tage auf dem Hof, deutlich weniger als vor der Pandemie.
Der Gebrauchtwagenmarkt hat sich nach Jahren der Turbulenzen angepasst, auch wenn einige Segmente widerstandsfähiger bleiben als andere. Die Preise sind von ihren Höchstständen 2023 gesunken, doch die Nachfrage bleibt stark – insbesondere bei SUVs. Gleichzeitig zeigt die schnellere Wertminderung von Elektroautos, wie sich die Präferenzen der Käufer in einer noch immer im Wandel befindlichen Branche verschieben.






