Kaltblutpferde kehren in Hessens und Bayerns Wälder als nachhaltige Helfer zurück
Türkan MargrafPferd statt Maschine - Welche Arbeit haben die Zugpferde? - Kaltblutpferde kehren in Hessens und Bayerns Wälder als nachhaltige Helfer zurück
Das Kaltblutpferdefestival auf Schloss Freudenberg bietet Besuchern eine seltene Gelegenheit, traditionelle Pferderückung live zu erleben. Sechs kräftige Arbeitspferde zeigen, wie sie Baumstämme über schwieriges Gelände ziehen – dort, wo Maschinen kaum einsetzbar sind. Gäste dürfen sogar selbst die Zügel in die Hand nehmen und die Arbeit am eigenen Leib spüren.
Doch die Pferderückung ist mehr als nur ein historisches Schaulaufen: Auf Schloss Freudenberg wird sie noch heute aktiv genutzt, um den Wald nachhaltig zu bewirtschaften. Das Internationale Gespannzentrum (IGZ) fördert diesen Ansatz und argumentiert, dass Pferde in bestimmten Gebieten ökologischer und effizienter sein können als Maschinen. Zwar hat die mechanisierte Landwirtschaft die Pferdekraft fast verdrängt, doch das IGZ betont ihren Wert in Nischenbereichen der Forstwirtschaft.
Nicht nur in Hessen, sondern auch in drei weiteren Bundesländern – Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen – kommen Pferde wieder vermehrt zum Einsatz. In Bayern läuft seit 2020 das Projekt "Pferdeeinsatz im Bayerischen Wald", Baden-Württemberg setzt die Tiere auf Wegen im Schwarzwald ein, und in Sachsen werden sie bis 2025 im Elbsandsteingebirge getestet. In Hessen selbst arbeiten jedoch nur noch etwa acht Betriebe hauptberuflich mit Pferderückung.
Auch Landwirt Hubertus Assmann setzt auf seine Pferdestärke: Er pflügt mit ihnen seine Felder, da sie den Boden schonender behandeln als schwere Traktoren. Für ihn ist die Arbeit mit den Tieren nicht nur effektiv, sondern auch erfüllender – ein Beweis, dass Pferde selbst in unserer hochtechnisierten Welt noch einen praktischen Nutzen haben.
Das Festival zeigt, wie Kaltblutpferde in der modernen Forstwirtschaft weiterhin eine Rolle spielen, besonders in empfindlichen oder schwer zugänglichen Gebieten. Mit laufenden Projekten in mehreren Bundesländern gewinnt ihre Nutzung langsam wieder an Anerkennung. Doch die Zahl der hauptberuflichen Pferderücker bleibt gering – und macht die Tradition damit umso wertvoller.