03 March 2026, 14:09

Neuer Bischofskonferenz-Chef: Heiner Wilmer übernimmt in turbulenter Zeit

Ein Schwarz-Weiß-Foto eines Mannes in Priesterrobe, der eine weiße Robe mit schwarzem Kragen und Manschetten und eine schwarze Mütze mit einer weißen Feder trägt, mit gefalteten Händen und ernster Miene.

Neuer Bischofskonferenz-Chef: Heiner Wilmer übernimmt in turbulenter Zeit

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer ist zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden. Er löst damit Bischof Georg Bätzing aus Limburg ab, der die Konferenz in den vergangenen sechs Jahren geleitet hat. Wilmers Amtsantritt fällt in eine Phase, in der die katholische Kirche in Deutschland weiterhin mit langjährigen Missbrauchsskandalen und Forderungen nach Reformen konfrontiert ist.

Wilmers kirchliche Laufbahn umfasst mehrere Jahrzehnte. 2007 wurde er zum Provinzial der Deutschen Provinz der Herz-Jesu-Priester ernannt, 2015 stieg er zum Generaloberen in Rom auf, und nur drei Jahre später folgte die Ernennung zum Bischof von Hildesheim.

Bekannt für seine Fähigkeit, Gräben zu überbrücken, hat Wilmer wiederholt als Vermittler zwischen konservativen und reformorientierten Kräften gewirkt. Seine Diözese fällt durch alternative Führungsmodelle auf, darunter die Besetzung von Spitzenpositionen mit Frauen. Zudem hat er sich öffentlich für eine Modernisierung der katholischen Sexualmoral ausgesprochen und signalisiert, Offenheit für Segensfeiern gleichgeschlechtlicher Paare zu zeigen.

Zuletzt leitete Wilmer die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz. Seine neue Position rückt ihn nun ins Zentrum der kirchlichen Führung auf nationaler Ebene – zu einer Zeit entscheidender Weichenstellungen.

Die Kirche in Deutschland steht seit dem Missbrauchsskandal am Berliner Canisius-Kolleg im Jahr 2010 unter anhaltender Kritik. Eine Studie von 2018 belegte systematische Übergriffe, doch viele Betroffene warten noch immer auf angemessene Entschädigung. Trotz Reformen wie externen Kontrollen und Hilfsangeboten zeigten frühere Untersuchungen, dass Täter nur selten Konsequenzen fürchten mussten und oft vor Verantwortung geschützt wurden.

Wilmer übernimmt das Amt in einer Phase ungelöster Missbrauchsfälle und wachsender Reformforderungen. Sein bisheriger Werdegang deutet auf einen Fokus auf Dialog und strukturelle Erneuerung hin. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob sein Ansatz die Herausforderungen bewältigen kann, vor denen die katholische Gemeinschaft in Deutschland steht.