27 April 2026, 14:31

Neuer Roman bringt den armenischen Völkermord ins Klassenzimmer

Eine detaillierte Karte von Anatolien und Armenien auf Papier, mit Text und geografischen Merkmalen wie Flüssen, Bergen und Städten versehen.

Neuer Roman bringt den armenischen Völkermord ins Klassenzimmer

Ein neuer Roman lenkt die Aufmerksamkeit auf eine lange vernachlässigte historische Tragödie. Im März bei Reclam Verlag erschienen, ist Laura Cwiertnias "Auf der Straße tragen wir andere Namen" inzwischen Pflichtlektüre an deutschen Schulen. Das Buch behandelt schwierige Themen wie Völkermord, Überleben und die Erfahrungen türkischer Migranten in Deutschland – und verknüpft sie mit dem armenischen Völkermord von 1915, dem etwa 1,5 Millionen Menschen zum Opfer fielen.

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In diesem Jahr jährt sich die systematische Ermordung der Armenier im Osmanischen Reich zum 111. Mal. Trotz des Ausmaßes der Verbrechen bleibt der Völkermord in vielen Klassenzimmern ein blinder Fleck. Lehrer verweisen oft auf überfüllte Lehrpläne, Zeitmangel und fehlende Materialien, um das Thema auszulassen. Deutschlands eigene Rolle während des Völkermords – durch das Kriegsbündnis mit dem Osmanischen Reich – fügt der Auseinandersetzung eine weitere Dimension hinzu.

2016 verabschiedete der Deutsche Bundestag eine Resolution, die fordert, den armenischen Völkermord verbindlich in die Schulcurricula aufzunehmen. Doch die Umsetzung stockt. Die Literaturwissenschaftlerin Swantje Ehlers, die Cwiertnias Roman mit einem Kommentar begleitete, argumentiert, dass Literatur helfen kann, diese Lücke zu schließen. Indem das Buch Schüler emotional anspricht, eröffnet es Zugänge zu Diskussionen über Gewalt, Diskriminierung und historische Verantwortung.

Der Roman erzählt die Geschichten türkischer Gastarbeiter in Deutschland und verbindet ihre Schicksale mit dem Erbe des Völkermords. Dass er nun an Schulen gelesen wird, spiegelt ein wachsendes Bestreben wider, historische Verdrängung aufzuarbeiten. Dennoch bleiben Herausforderungen: von unzureichender Lehrerfortbildung bis hin zur anhaltenden Debatte, wie ein solch schmerzhaftes Thema vermittelt werden kann.

Cwiertnias Roman steht nun auf den Lektürelisten und gibt Schülern direkten Zugang zu einem oft ignorierten Kapitel der Geschichte. Die Bundestagsresolution von 2016 ist in vielen Schulen noch immer nicht umgesetzt, doch die Aufnahme des Buchs deutet auf einen Wandel hin. Ob dies zu einer breiteren Veränderung in der Vermittlung des armenischen Völkermords führt, hängt von Ressourcen, Fortbildungen und politischem Willen ab.

Quelle