16 February 2026, 04:47

Rekordjagd auf Waschbären in Niedersachsen entfacht Streit über Artenschutz und Ethik

Ein Schwarz-Weiß-Foto eines Waschbären im Wald, umgeben von Pflanzen und Bäumen, mit Text und Zahlen unten, die darauf hinweisen, dass es am 21. Mai 2020 aufgenommen wurde.

Rekordjagd auf Waschbären in Niedersachsen entfacht Streit über Artenschutz und Ethik

Waschbärenjagd in Niedersachsen erreicht Rekordhöhe

In Niedersachsen hat die Bejagung von Waschbären im Jagdjahr 2021/22 mit über 23.000 erlegten Tieren einen neuen Höchststand erreicht – ein Anstieg um 10,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Trotz wachsender Kritik von Wildtierexperten und Naturschutzverbänden bleibt umstritten, ob die Bejagung wirksam oder überhaupt gerechtfertigt ist, angesichts des rechtlichen Status der Art und ihrer ökologischen Auswirkungen.

Bis 2016 galten Waschbären in Deutschland gemäß Bundesnaturschutzgesetz noch als heimische Tierart. Später wurde ihr Status zu "invasiv" geändert, obwohl die Art nicht auf der EU-Liste der "100 schlimmsten invasiven Arten des Kontinents" steht. Diese Neuklassifizierung ebnete den Weg für ausgeweitete Jagdmaßnahmen, darunter die seit April 2022 erlaubte Nutzung von Nachtsicht- und Wärmebildgeräten – nicht nur für Waschbären, sondern auch für Füchse und Nutrias.

Jägerverbände verteidigen die Bejagung als notwendig. Helmut Dammann-Tamke, Präsident des Landesjagdverbandes Niedersachsen, argumentiert, die Population müsse kontrolliert werden. Doch Experten wie der Wildtierbiologe Dr. Ulf Hohmann, der sich auf Waschbären spezialisiert hat, halten die Jagd für unwirksam. Stattdessen fordert er, die Gesellschaft müsse lernen, mit den Tieren zu koexistieren, anstatt sie zu bekämpfen.

Kritiker verweisen zudem auf nicht-tödliche Alternativen, die bisher kaum Beachtung finden. Die Bürgerinitiative Pro Fuchs Deutschland kritisierte die Gesetzesänderungen scharf und wirft Jägern vor, pauschal alles zu bekämpfen, was Krallen und scharfe Zähne habe. Gleichzeitig setzen viele Hobbyjäger lieber auf radikale Maßnahmen als auf alternative Lösungen.

Laut dem aktuellen Jagdbericht wurden in Niedersachsen im Jagdjahr 2021/22 insgesamt 23.322 Waschbären erlegt – so viele wie nie zuvor. Während Jäger die Bejagung für unverzichtbar halten, zweifeln Wissenschaftler und Naturschützer an ihrer langfristigen Wirkung. Da eine Kehrtwende in der Politik nicht in Sicht ist, dürfte der Konflikt zwischen tödlicher Kontrolle und Ansätzen des Zusammenlebens weitergehen.