30 March 2026, 18:32

Telematikinfrastruktur: Deutschland verschiebt Frist für Ärzte und Therapeuten bis 2027

Alte medizinische Aufzeichnung mit rotem Kreuzsymbol, Text, Stempeln und einem Logo.

Telematikinfrastruktur: Deutschland verschiebt Frist für Ärzte und Therapeuten bis 2027

Deutschland hat die Frist für Therapeuten und Anbieter medizinischer Hilfsmittel zur Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI) um zwei Jahre verschoben. Der neue Stichtag ist nun der 1. Oktober 2027 – betroffen sind damit rund 90.000 Leistungserbringer im ganzen Land. Die Verzögerung folgt anhaltenden technischen und logistischen Herausforderungen bei der Einführung des Systems.

Die Fristverlängerung erfolgt nach wiederholten Rückschlägen bei der Umsetzung der elektronischen Gesundheitsberufsausweise (eGA) und anderer zentraler Komponenten. Zu den Problemen zählen zu enge Zeitpläne, Softwarefehler, bürokratische Hürden und IT-Pannen – etwa ein fehlerhaftes Update im Februar 2026, das bundesweit Apotheken lahmlegte. Aktuell sind erst 26 Prozent der Praxen für die elektronische Patientenakte (ePA) gerüstet, während 19 Prozent nicht vor Ende 2026 oder später mit einer vollständigen Umsetzung rechnen.

Der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten (IFK) begrüßt die Verschiebung, da sie mehr Zeit zur Optimierung der Infrastruktur biete. Unterdessen wirbt das Deutsche Medizinrechenzentrum (DMRZ) dafür, dass Leistungserbringer die TI bereits vor der Frist freiwillig einführen.

Für den IT-Dienstleister Cherry bedeutet die Verzögerung Millionenverluste bei den Umsätzen. Als Reaktion hat das Unternehmen Ausgleichsstrategien entwickelt, darunter die beschleunigte Einführung lukrativer Ersatzdienstleistungen. Zudem bewirbt es Lösungen wie das Terminal-Management-System (TMS) und den TI-Messenger (TIM), dessen TIM.Pro-Variante kürzlich die gematik-Zertifizierung erhielt.

Ziel der Fristverschiebung ist es, Anbietern und IT-Firmen mehr Zeit zu geben, um anhaltende technische und administrative Hindernisse zu überwinden. Da bisher nur ein Bruchteil der Praxen für die vollständige Integration bereit ist, soll die Verlängerung weitere Störungen im Telematikbetrieb verhindern. Gleichzeitig ermöglicht sie Unternehmen wie Cherry, ihre Geschäftsmodelle anzupassen und gleichzeitig die Verbreitung konformer Systeme voranzutreiben.

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