Till Lindemanns Buchsignierstunde in Berlin: Hunderte Fans trotz jahrelanger Vorwürfe
Franz-Xaver OderwaldTill Lindemanns Buchsignierstunde in Berlin: Hunderte Fans trotz jahrelanger Vorwürfe
In Berlins Stadtteil Wilhelmsruh bildete sich eine lange Schlange, als Fans sich für eine Buchsignierstunde mit Till Lindemann und Joey Kelly versammelten. Einige hatten über Nacht campiert und mehr als fünf Stunden gewartet, um den Rammstein-Frontmann zu treffen. Die veranstaltung heute fand statt, nachdem jahrelange Vorwürfe gegen Lindemann von der Staatsanwaltschaft später fallen gelassen worden waren.
Ursprünglich sollte die Signierstunde im Astra Kulturhaus, einem linksalternativen Veranstaltungsort, stattfinden, wurde aber nach Online-Protesten in den Rammstein-Shop verlegt. Lindemann und Kelly präsentierten dort ihr neues Fotobuch und zogen Hunderte von Unterstützern an.
Fans wie Cathrin, die extra aus Leipzig angereist war, wischten die Missbrauchsvorwürfe beiseite. Sie und andere Anwesende bestritten, dass es bewiesene Verfehlungen gebe. Die 17-jährige Emma nannte ihre kurze Begegnung mit Lindemann "unglaublich krass", während ihre Mutter den Inhalt des Buches als unangemessen für Minderjährige kritisierte.
Die Kontroverse hatte 2023 begonnen, als mehrere Frauen Lindemann vorwarfen, sie unter Drogen gesetzt und angegriffen zu haben. Medienberichte und Boykottaufrufe folgten, doch bis 2026 fanden die Ermittlungen keine strafbaren Handlungen. Unterstützer, darunter Bandkollegen und der Sänger Roland Kaiser, stellten sich hinter ihn, während Kritiker wie die Journalistin Carolin Emcke und #MeToo-Aktivistinnen die Ermittlungsergebnisse hinterfragten.
Nach der Signierstunde verließen die Fans mit Rammstein-Merchandise den Ort – das Ende eines Tages, der Begeisterung und anhaltende Debatten vereinte.
Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen Lindemann zwar eingestellt, doch die Meinungen bleiben gespalten. Die veranstaltungen heute zeigten, dass er trotz der anhaltenden Diskussionen über die Vorwürfe eine treue Fangemeinde hat. Vorerst ist das juristische Verfahren ohne Anklage abgeschlossen.