Warum "Gemeinschaften des Misstrauens" die Demokratie gefährden
Aladin El-Mafaalani, Soziologe aus Dortmund, hat untersucht, warum das Misstrauen gegenüber der Demokratie wächst. In seinem neuesten Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert er, wie Menschen das Vertrauen in Staat, Gerichte, Wissenschaft und Medien verlieren. Diese Entwicklungen, so seine These, erklären mit, warum Bewegungen wie die AfD in Deutschland oder Figuren wie Trump im Ausland an Einfluss gewinnen.
El-Mafaalani zeigt in seinen Forschungen, dass misstrauische Menschen sich oft mit Gleichgesinnten verbünden, die ihre Skepsis teilen. Diese Gruppen, die er als "Gemeinschaften des Misstrauens" bezeichnet, neigen dazu, ihr Vertrauen in Parteien zu setzen, die der liberalen Demokratie feindlich gegenüberstehen – wie die rechtspopulistische AfD in Deutschland. Populistische Strategen, so der Soziologe, arbeiten gezielt daran, das Vertrauen in Institutionen zu untergraben, und machen diese Gemeinschaften damit noch empfänglicher für antistaatliche Botschaften.
Die AfD selbst hat seit ihrer Gründung im Jahr 2013 einen radikalen Wandel durchlaufen. Ursprünglich als eurokritische Partei unter Führung von Ökonomen gestartet, vollzog sie ab 2015 eine deutliche Rechtswende und konzentrierte sich auf die Ablehnung von Migration. 2017 zog sie mit 92 Sitzen in den Bundestag ein und wurde zur stärksten Oppositionspartei. Seither hat sie in fast allen Landesparlamenten an Einfluss gewonnen – auch wenn Beobachter wie der deutsche Verfassungsschutz Teile der Partei als extremistisch einstuft.
Innerhalb der AfD prägen heute verschiedene Strömungen die Ausrichtung: nationalkonservative Figuren wie Björn Höcke, traditionelle Rechtsextreme sowie Wähler, die mit der Migrationspolitik oder den etablierten Parteien unzufrieden sind. 2024 hat der wachsende Einfluss der Partei Proteste und Forderungen nach einem Verbot ausgelöst. Digitale Medien, betont El-Mafaalani, spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie es misstrauischen Menschen ermöglichen, sich auf bisher unbekannte Weise zu vernetzen und zu organisieren.
Sobald Parteien wie die AfD an die Macht kommen, warnt El-Mafaalani, lasse sich ihre Inkompetenz nicht einfach entlarven oder ihre Anziehungskraft "entzaubern". Seine Analysen legen nahe, dass herkömmliche Strategien gegen Populismus oft scheitern, weil sie die tief verwurzelte Natur des Misstrauens verkennen.
El-Mafaalanis Arbeit bietet eine detaillierte Untersuchung, wie sich Misstrauen verbreitet und verfestigt. Seine Erkenntnisse deuten darauf hin, dass neue Ansätze nötig sind, um der Attraktivität des Rechtspopulismus zu begegnen. Die Einsichten des Buches erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem die AfD ihre politische Präsenz in ganz Deutschland weiter ausbaut.






